
Sie oder Du?
„Man sagt eher Du Arschloch, als Sie Arschloch“. „Das „Sie“ bewahrt Respekt und Distanz“. „Das „Du“ verleitet zu allzu großer Vertrautheit und Kumpanei“. Solche oder ähnliche Aussagen erhalte ich oft von Führungskräften, wenn es um die Frage geht, ob es besser ist, dass man „Sie“ oder „Du“ zu seinen Mitarbeitern oder Kollegen sagen soll. Während es im Umgang mit Kollegen noch häufig leicht fällt das Du zu verwenden, so führt es besonders im Umgang mit Mitarbeitern zu Problemen. Insbesondere nach Auslandseinsätzen, bei denen die Gesprächspartner sich duzen, wir uns den kulturellen Bedingungen anpassen und unsere Mitarbeiter ebenfalls duzen, stellt sich bei der Rückkehr nach Deutschland das Problem, ob wir bei dem „Du“ bleiben sollen oder wieder auf das „Sie“ zurückgehen. Unentschlossene versuchen dieses Problem häufig dadurch zu lösen indem Sie einen Kompromiss eingehen und das „Sie“ in Kombination mit dem Vornamen verwenden, was sich aber meist komisch, weil ungewohnt anfühlt – eben ein fauler Kompromiss und zudem unüblich. Auch die Regel „Der Ältere bietet das Du an“ führt nur selten zu befriedigenden Lösungen, da wir als Führungskraft meist älter als unsere Mitarbeiter sind und ältere Mitarbeiter aus Respekt vor uns Vorgesetzten sich oft nicht trauen uns das „Du“ anzubieten.
Oft stellt sich daher die Frage, ab wann es sinnvoll ist einem Mitarbeiter das „Du“ anzubieten, bzw. wann der Grad der Vertrautheit erreicht ist um „gefahrlos“ das „Du“ anbieten zu können.
Und genau in dieser Formulierung, speziell in den Worten Vertrauen und Gefahr, steckt die eigentliche Problematik. Wir haben Angst davor, dass die vermeintliche Nähe des „Du“ für uns Gefahren birgt. Die Gefahr, dass unser Mitarbeiter respektlos wird, sich uns gegenüber eher kritisch äußert und die Vertrautheit des „Du’s“ ausnützt. Wir glauben, dass wir uns hinter dem respektvollen „Sie“ besser verstecken können und dadurch besser „geschützt“ sind.
Ohne Zweifel gibt das „Sie“ mehr Distanz. Aber ist es nicht so, dass wir meist zu wenig Offenheit und Feedback von unseren Mitarbeitern bekommen? Dass für uns wichtige Informationen uns gar nicht erreichen, weil unsere Mitarbeiter Angst haben uns schlechte oder kritische Informationen mitzuteilen?
Zweifellos vermindert das „Sie“ Nähe und Offenheit. Aber gerade wir Führungskräfte sind darauf angewiesen, dass wir Probleme rechtzeitig erkennen, lösen und Kritik zur Verbesserung unserer Performance annehmen können. Das „Du“ erhöht zudem die Verbundenheit innerhalb des Teams, einschließlich des Vorgesetzten. Offenheit und gegenseitige Unterstützung funktioniert dann besonders gut, wenn das Vertrauen da ist, dem anderen alles sagen zu können, was einen belastet. Das „Sie“ schützt uns nicht. Ganz im Gegenteil. Es schafft eine vermeintliche Sicherheit und Distanz, welche uns von wesentlichen Informationen abschneidet. Informationen, die gerade wir als Führungskräfte benötigen um schnell und präventiv reagieren zu können.
Kommunikation auf Augenhöhe
Wenn Sie also ein Team haben wollen, welches offen miteinander umgeht, dann sollten Sie eine vertrauensvolle Du-Kultur aufbauen. Respekt erhalten Sie nicht indem Sie in der vermeintlichen Sicherheit des „Sie’s“ bleiben, sondern indem Sie Kritik mit Offenheit begegnen und als Anregung für persönliche Veränderungsprozesse sehen.

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